Wortwahl 2.0: Pflicht oder eigene Entscheidung

Spruch Wortwahl Pflicht

 

Vielen Aufgaben empfinden wir als Pflicht

Ich war in letzter Zeit sehr gestresst. Meine Tage empfand ich viel zu voll mit Dingen, die ich erledigen „musste“. Ich fühlte mich wie in einem Hamsterrad mit vielen Verpflichtungen, die mir keine Freude bringen. Selbst ein Abendessen mit Freunden empfand ich als Pflicht – ich muss mir ja eine Balance zum Beruf schaffen und so. Erkannt habe ich dieses Phänomen jedoch erst im Gespräch innerhalb der Familie. Man erzählte mir (mal wieder) wie viele Aktivitäten noch erledigt werden müssen, bevor man Zeit für spaßige Dinge hat. Ich fand das schlimm. Ich fing an darüber nachzudenken, warum ich das so negativ empfinde.

Kann die Wortwahl allein einen Einfluss haben?

Normalerweise würde man nun mit Tipps zur richtigen Priorisierung etc. kommen, aber ich sah keinen Weg die vielen Aufgaben in der Anzahl zu reduzieren. Ich fing an meine Einstellung zu reflektieren: Arbeite ich nicht, weil ich möchte oder darf? Koche oder putze ich nicht, weil ich möchte? Diese kleine Änderung in meiner (gedanklichen) Wortwahl bewirkt bei mir momentan Großes: Ich überlege mir, warum ich etwas tue und stelle fest, wie gut es mir geht. Damit empfinde ich viele vorherigen Pflichtaktivitäten als eigene Entscheidung und bin direkt zufriedener. Diese Art von Selbstbestimmung hat für mich einen großen Einfluss auf meine Zufriedenheit.

Jon Kabat-Zinn: Achtsamkeit als Glücksformel?

Achtsamkeit in einer digitalen Welt

Ich bin froh über dieses sehr aktuelle Interview vom SRF mit Jon Kabat-Zinn gestolpert zu sein – interessanterweise über das Intranet meines Arbeitgebers. Das Thema Mindfulness wird auch vermehrt in Unternehmen wie Twitter, Google oder Ford gefördert, Achtsamkeit als Glücksformel findet seinen Weg in die Unternehmenswelt. Das scheint mir eine spannende Thematik zu sein. Fakt ist, dass Kabat-Zinn auf dem World Economic Forum 2016 in Davos einen Vortrag gehalten hat. Im Interview scheint er jedoch nicht sehr begeistert davon zu sein, dass Achtsamkeit und Kapitalismus vermehrt aufeinander treffen. Unternehmen scheinen von der Förderung von Mindfulness weniger gestresste und damit produktivere Mitarbeiter zu erwarten.

Ich finde es klasse, wie Kabat-Zinn es schafft, die sehr alte Achtsamkeitstheorie mit der modernen, digitalen Welt in Bezug zu bringen, die uns täglich umgibt. Ich habe beruflich viel mit dem Thema Digitalisierung in der Wirtschaft zu tun und kann den ausgeführten Gedanken viel positives abgewinnen.

„Wir sind von einer analogen in eine digitale Welt geraten, wo wir vom digitalen derart aufgesaugt werden, dass wir vergessen, dass wir immer noch analoge Wesen sind.“

-Jon Kabat-Zinn

Mindfulness als Lösung aller Probleme?

Jon Kabat-Zinn setzt die Methodik somit nicht nur in Bezug zu mir als Individuum oder zu den benannten Unternehmen, sondern auch zur Gesellschaft und zur Umwelt. Könnte Mindfulness die Lösung für alle Probleme dieser Welt sein? Eine gewagte These – spannend diese Idee einmal zu verfolgen. So weit wollen wir aber jetzt nicht gehen. Ich beobachte lieber die schweren dunklen Gewitterwolken, die genau in diesem Moment draußen die Farben der Welt verändern (Mindful!). Und ein bisschen ärgere ich mich, dass ich nicht vor 15 Minuten das Büro verlassen habe. Wir wollen aber gelassen bleiben und somit akzeptiere ich die Situation :). Es lohnt sich auf jeden Fall, das Interview anzusehen/anzuhören. Man findet sehr aufschlussreiche Ideen über die Achtsamkeit als Glücksformel für sich selbst und für die Beziehung zu seiner Umgebung.

Quote: Nachdenken über unsere Geschwindigkeit

Quote Geschwindigkeit

 

Anregung zum Nachdenken über deine eigene Geschwindigkeit

  • Wie gehst du mit Geschwindigkeit im Alltag um?
  • Versuchst du ständig effizienter zu sein, mehr Aufgaben in weniger Zeit zu erledigen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten?
  • Hast du für dich selbst das Gefühl in der richtigen Geschwindigkeit zu arbeiten und zu leben?
  • Fühlst du dich oft gestresst?