Work-Life-Balance: Einmal Reflektieren bitte

Work-Life-Balance

 

Work-Life-Balance: Wieso ich die Trennung beider Wörter nicht gut finde

Fast kein Mensch kommt mehr vorbei an der Wortkontruktion „Work-Life-Balance“ – zu sehr hat sie sich in den Unternehmensjargon, in die Medien und unseren privaten Sprachgebrauch geschlichen. Dadurch wird die Arbeitswelt klar vom Leben getrennt – passt irgendwie auch in unsere Zeit, in welcher sich viele Menschen grundlegende Gedanken zum Leben und zur Arbeit machen. Doch wenn ich tiefer darüber nachdenke, kommen viele Fragen in mir hoch: Hat man nicht erst durch die Trennung dieser Worte das Gefühl, „Work“ ist der Fremdkörper im „Life“? Suggeriert das Wortspiel nicht, dass man während der Arbeit nicht lebt bzw. das Leben erst nach der Arbeitszeit beginnt? Ist die Kernaussage nicht: Nur in der Zeit in der du nicht arbeitest, lebst du tatsächlich?

Aufruf zum Reflektieren der eigenen Definition

Darf man diese Wortkonstruktion wirklich so ernst nehmen? Drückt sie doch im übertragenen Sinne aus, dass es da mehr im Leben gibt als Arbeit? Motiviert dieser Begriff uns nicht auch, Arbeits- und Privatleben in einen Einklang zu bringen? Dem ist natürlich zuzustimmen. Dennoch finde ich die Trennung grundsätzlich schade – liegt ihr ja definitiv die Trennung zwischen Arbeit und Leben zugrunde. Mir würde allgemein „Life-Balance“ besser gefallen – geht es doch schließlich darum alles wichtige im Leben im Einklang zu halten. Ich würde gern dazu aufrufen, einmal zu reflektieren, wie man selbst diese Trennung wahrnimmt. Ärgert man sich Sonntagabend schon, dass das „Leben“ schon wieder vorbei ist, weil es Montag wieder in die Arbeit geht? Freut man sich schon am Mittwoch auf Freitag, weil dann das richtige Leben wieder beginnt?

Ich versuche aktuell für mich selbst zu verinnerlichen, dass Arbeit ein wichtiger Teil meines Lebens ist – der Begriff hilft mir dafür leider nicht.

 

 

Jon Kabat-Zinn: Achtsamkeit als Glücksformel?

Achtsamkeit in einer digitalen Welt

Ich bin froh über dieses sehr aktuelle Interview vom SRF mit Jon Kabat-Zinn gestolpert zu sein – interessanterweise über das Intranet meines Arbeitgebers. Das Thema Mindfulness wird auch vermehrt in Unternehmen wie Twitter, Google oder Ford gefördert, Achtsamkeit als Glücksformel findet seinen Weg in die Unternehmenswelt. Das scheint mir eine spannende Thematik zu sein. Fakt ist, dass Kabat-Zinn auf dem World Economic Forum 2016 in Davos einen Vortrag gehalten hat. Im Interview scheint er jedoch nicht sehr begeistert davon zu sein, dass Achtsamkeit und Kapitalismus vermehrt aufeinander treffen. Unternehmen scheinen von der Förderung von Mindfulness weniger gestresste und damit produktivere Mitarbeiter zu erwarten.

Ich finde es klasse, wie Kabat-Zinn es schafft, die sehr alte Achtsamkeitstheorie mit der modernen, digitalen Welt in Bezug zu bringen, die uns täglich umgibt. Ich habe beruflich viel mit dem Thema Digitalisierung in der Wirtschaft zu tun und kann den ausgeführten Gedanken viel positives abgewinnen.

„Wir sind von einer analogen in eine digitale Welt geraten, wo wir vom digitalen derart aufgesaugt werden, dass wir vergessen, dass wir immer noch analoge Wesen sind.“

-Jon Kabat-Zinn

Mindfulness als Lösung aller Probleme?

Jon Kabat-Zinn setzt die Methodik somit nicht nur in Bezug zu mir als Individuum oder zu den benannten Unternehmen, sondern auch zur Gesellschaft und zur Umwelt. Könnte Mindfulness die Lösung für alle Probleme dieser Welt sein? Eine gewagte These – spannend diese Idee einmal zu verfolgen. So weit wollen wir aber jetzt nicht gehen. Ich beobachte lieber die schweren dunklen Gewitterwolken, die genau in diesem Moment draußen die Farben der Welt verändern (Mindful!). Und ein bisschen ärgere ich mich, dass ich nicht vor 15 Minuten das Büro verlassen habe. Wir wollen aber gelassen bleiben und somit akzeptiere ich die Situation :). Es lohnt sich auf jeden Fall, das Interview anzusehen/anzuhören. Man findet sehr aufschlussreiche Ideen über die Achtsamkeit als Glücksformel für sich selbst und für die Beziehung zu seiner Umgebung.